4.2.10

unterstuetzt den kampf gegen den kulturabbau in der lausitz!

hallo zusammen. ab und an muss man auch mal was anderes machen, als ueber tempel, tamilen und brot fuer die welt zu schreiben.

darum heute auch hier die bitte an euch, die petition gegen die sparplaene fuer (oder gegen) das sorbische nationalensemble zu unterschreiben. kulturtod darf nicht unwidersprochen bleiben.

meine meinung dazu und ein bisschen ueberzeugungsarbeit findet ihr hier, die petition selbst da.

vielen dank.
j.

ps: der letzte bericht ist vom 2. februar und steht hier drunter.

2.2.10

tamil nadu: mahatma, minister und the mother

malai vanakkam!*
wir haben kerala - unser bisherigen favoriten in indien - letzten mittwoch verlassen und uns auf den weg ins benachbarte tamil nadu, das land der tamilen, gemacht. erst mittwoch, weil es uns in unserem palmenhain am rand des touristenparadieses dann doch ziemlich gefallen hat, und weil am dienstag nationalfeiertag war. der geht in indien alljaehrlich mit terrorwarnungen einher; daher muss man da nicht wirklich durch die gegend reisen. terror gabs auch dieses jahr wieder keinen.

*mal ein wenig tamil zur abwechslung: guten abend!

gruppe europaeer, die auch ein stueck indischer glueckseligkeit abhaben wollen und daher erstmal atmen lernen.

blick aus dem zug nach sueden.

die vierstuendige zugfahrt durch wegen mittagshitze menschenleere reisfelder und bananenhaine und vorbei an sandsteinbergen brachte uns zum suedlichsten punkt unserer reise sowie des indischen festlands. kanniyakumari ist wegen seiner besonderen lage an drei meeren natuerlich auch ein wichtiger pilgerort und fuehlt sich dementsprechend an. von den 20.000 einwohnern, die jaehrlich von mehr als 2 millionen besuchern ueberrollt werden, bekommt man relativ wenig mit. ein kleiner spaziergang fuehrte uns in die "altstadt", die historische fischersiedlung, wo es allerdings kein haus gibt, das aelter als fuenf jahre ist. der tsunami vernichtete hier alles, was nahe der kueste stand und verschonte nur die weiter oben gelegenen hotels. daher findet man auch kaum ein haus im ort, das nicht frisch verputzt und gestrichen ist. in den kleinen, leeren gassen ernteten wir viele misstrauische blicke, was in anbetracht der oben erwaehnten zahlenverhaeltnisse wahrscheinlich nicht verwunderlich ist. wir selber warfen dafuer einen blick in die dortige grundschule, wo die auf bambusmatten um den lehrer versammelten schueler gerade "david brings his mother a mango" lernten. trotzdem machte das wiedererrichtete viertel alles in allem einen seltsam unnatuerlichen, toten eindruck auf uns.

am kap komorin, der echten suedspitze, hat man - typisch indisch - einen ueberaus haesslichen aussichtsturm in form eines wasserhochtanks errichtet, der zum beobachten der auf- und untergehenden sonne dient. beides passiert hier naemlich im meer. wir liessen uns das erlebnis natuerlich nicht entgehen, und die sonne hat es diesmal sogar fast bis zum horizont herunter geschafft. trotz aller romantik sind die innenwaende des turms wie jedes oeffentliche gebaeude des landes mit blutroten flecken uebersaet. das ist kein indiz fuer gewalt oder aehnliches, sondern vielmehr fuer den genuss von paan, besser bekannt als betel, das gekaut und anschliessend wild durch die gegend gespuckt wird.

sonnenuntergang mit fischerbooten.

weil kanniyakumari wie gesagt ziemlich touristisiert ist, und es daher eine menge schlechter, aber trotzdem teurer unterkuenfte gibt, haben wir uns diesmal uebrigens ein mittelklasse-hotelzimmer mit balkon und meerblick fuer elf euro gegoennt. zum meerblick gehoert hier die wundervolle aussicht auf ein nagelneues, aus russland importiertes kernkraftwerk direkt am meer, das vom tsunami allerdings keine schaeden davongetragen haben soll.

die frisch renovierte kirche vom balkon aus gesehen.

vor unserer weiterfahrt (oder soll man es schon den beginn der heimreise nennen) am naechsten tag statteten wir dem gandhi-memorial einen besuch ab. von hier aus wurde 1948 ein teil der asche des mahatma in der see verstreut und noch heute scheinen die sonnenstrahlen am 2. oktober (gandhis geburtstag) auf den gedenkstein, der daran erinnert. unweit davon stehen noch zwei weitere denkmale, ein haesslich-protziges in form einer 40 meter hohen statue des tamilischen nationaldichters tiruvalluvar auf einer vorgelagerten insel, und ein etwas unbeeindruckend geratenes fuer die opfer des tsunamis.

thiruvallur-statue im meer.

die idee ist gut, an der umsetzung hats gehapert.

das erste stueck der fuenfstuendigen minibus-fahrtstrecke nach madurai, einer grossstadt etwa 200 km noerdlich, war auf beiden seiten der strasse von hunderten kleinerer, groesserer und riesiger windraeder gesaeumt. auch ansonsten verlief die fahrt im mit kahlgeschorenen hindu-pilgern vollgestopften bus eher unindisch. die strasse war autobahnhaft ausgebaut (zwei spuren fuer jede seite), verfuegte ueber strassenschilder und sogar wegweiser mit entfernungsangaben, die waehrend der fahrt nicht unkontrolliert anstiegen und abnahmen. einige teilstuecken fehlten noch, aber insgesamt war hier schon eindrucksvoll zu sehen, woran momentan im ganzen land fieberhaft gebaut wird. nach der sichtung eines kleintransporters, der auf der ladeflaeche einen ausgewachsenen elefanten transportierte, war uns allerdings wieder klar, wo wir hier sind.


erleben sie tamil nadu, wie es wirklich ist - bezaubernde orte warten auf ihre entdeckung, darunter der grosse tempel von rameshwaram und die selbstmordklippen von kodaikanal...

vor der einfahrt nach madurai jetzt zunaechst ein paar worte ueber tamil nadu. der bundesstaat wurde - wie so ziemlich alle in indien - in den 1950er jahren entlang der sprachgrenzen geschaffen und beherbergt daher heute den ueberwiegenden teil der tamilen indiens und der welt. tamilisch ist (anders als hindi, gujarati, punjabi etc.) keine indoeuropaeische sprache, sondern mit etwa 70 millionen sprechern die wichtigste vertreterin der dravidischen gruppe und ausserdem die einzige klassische sprache indiens, die bis heute ueberlebt hat. sie wird mehr oder weniger seit ueber 2500 jahren kontinuierlich hier gesprochen, wenngleich sie natuerlich viele woerter aus dem norden im laufe der zeit uebernommen hat. tamil nadu ist seit seinem bestehen immer eine sehr unabhaengige politische linie gefahren und hat mit der zeit - auf seinen traditionen basierend - eine art personenkult-lastigen dravidisch gefaerbten sozialismus entwickelt. das einmalige der hiesigen politischen kultur ist, dass ausnahmslos alle spitzenpolitiker ehemalige filmstars oder drehbuchautoren sind und von ihren anhaengern wie goetter verehrt werden. wir hatten das glueck (?), diese besonderheit in hoechstform erleben zu duerfen.

schon waehrend der bus sich noch ueber die verstopften strassen der vororte madurais kaempfte, waren sie an den strassenraendern nicht zu uebersehen: riesige plakate eines ziemlich haesslichen, dicken, tamilischen kim-jong-il-verschnittes, dem offenbar zum 59. geburtstag gratuliert wurde. seine tausendfache praesenz in bildform (an jeder laterne, an jeder plakatwand und in autofenstern) war jedoch noch lange nicht alles: an grossen kreuzungen entdeckten wir grosse licht-installationen, die den seltsamen herren als die aufgehende sonne ueber tamil und aehnliches inszenierten. the king of madurai, our majesty, the emperor...

am naechsten tag erfuhren wir, um wen es sich handelte: nicht etwa den chief minister karunadhini persoenlich, der das land seit 1969 immer mal wieder regiert und mit seiner sonnenbrille und dem gelben schal eine lebende legende ist. gezeigt war sein aelterer sohn, der nach innerparteilichen/-familiaeren differenzen in die bundespolitik abgeschoben wurde, madurai als basis waehlte und heute indischer minister fuer chemikalien und duengemittel ist. alle von uns darauf angesprochenen tamilen waren aeusserst stolz, dem duengeminister auf diese pompoese art zum neunundfuenfzigsten gratulieren zu duerfen. sein juengerer bruder heisst uebrigens stalin und hat gute chancen, naechster chief zu werden...

davon abgesehen hat madurai auch noch ein paar wirkliche sehenswuerdigkeiten, die wichtigste davon ein riesiger tempel mit zwoelf grossen und kleinen tuermen, der urspruenglich aus handelseinnahmen mit dem roemischen reich (!) finanziert wurde und heute noch die stadt ueberragt. ausserdem besichtigten wir das gandhi-museum, dass einen recht guten ueberblick ueber den indischen freiheitskampf seit der ankunft des "whiteman" und obendrein eine bunte sammlung von gandhi-bildern, -kissen, -sandalen und sogar sein (blutiges) letztes hemd bietet, auf das wir gerne verzichtet haetten. alles in allem eine sehr tamilische hommage an den mahatma, aber hier ist der personenkult wenigstens einigermassen berechtigt. die anwesenden schulklassen interessierten sich leider mehr fuer uns als fuer den vater der nation.

einer der tempeltuerme, die die stadt ueberragen.

detail: die vielarmige lakshmi.

die ohren des genies.

am zweiten und letzten abend gerieten wir in einem relativ preiswerten dachrestaurant mit tempelblick unter die fittiche eines zwanzigjaehrigen kellners, der in punkto untertaenigkeit alles ueberbot, was wir bis jetzt erlebt haben und uns damit ein wenig verlegen machte. wie wuerdet ihr euch fuehlen, wenn sich die bedienung im restaurant dafuer bedankt, dass sie euch essen bringen, das bier eingiessen oder die zigarette anzuenden darf? nicht unsere welt. am ende hat er uns allerdings ein paar tamilische und wir ihm einige deutsche floskeln beigebracht. thank you, sir, thank you. aber es geht immer schlimmer. deswegen fuehlte sich der inder an unserem tisch in der bar wenig spaeter zum ausruf "germany? good country! i like hitler!" genoetigt. das nahm er allerdings nach energischem kopfwackeln und hand-unter-dem-kinn-hin-und-her-bewegen unsererseits etwas kleinlaut wieder zurueck.

am naechsten tag ueberraschten wir uns gegenseitig mit der unabhaengig zustande gekommenen entscheidung, nicht in die hill station kodaikanal fahren zu wollen. denn dort ist es kalt, neblig und ueberhaupt muss man da so viel bus fahren. stattdessen begaben wir uns auf der gepaeckablage in der dritten (unreservierten) zugklasse, die man nach allen hinweisen auf jeden fall meiden sollte, in richtung pondicherry. die ehemalige hauptstadt franzoesisch-indiens (ja, das gabs auch noch) sollte sowas von toll, europaeisch und spirituell hochwertig sein, dass man auf keinen fall dran vorbeifahren darf. auf dem weg dahin trafen wir eine vierkoepfige familie, deren haus dem highway-bau zum opfer gefallen war und um die sich die regierung einen dreck kuemmert. die regierung von pondicherry, wohlgemerkt. die kleine tochter war ganz begeistert von sister lenka - wie sich herausgestellt hat leider zum grossteil, weil die sister weiss ist.

"if you're thinkin' of being my sister, it don't matter if you're black or white"

strassenschilder in pondicherry. wer kennt sie nicht - alexandre dumas und claude von bussi?

zugegeben, pondicherry ist europaeisch. es gibt vollkorn-baguettes, ordentlichen kaffee, frische salate, schnelle internetverbindungen und andere unindische sachen. zweistoeckige haeuser mit fensterlaeden und pizza hut auch. das wars dann aber auch schon. der eingemauerte fluss durchs zentrum stinkt wie jeder andere hier, der strand ist verdreckt und total ueberlaufen und hinzu kommt noch, dass die stadt fest in der hand des etwas dubiosen sri-aurobindo-ashrams ist, der von aurobindo ghose, einem gelehrten und freiheitskaempfer, gegruendet, und spaeter von mira alfassa, hier nur "the mother" genannt, weitergefuehrt wurde. heute betreibt die aurobindo-gesellschaft neben ihrem ashram und der utopischen gemeinschaft "auroville" am noerdlichen stadtrand auch dutzende gasthaeuser, restaurants und ein paar druckereien sowie eine IT-firma etc. pp. und ist stinkereich. so wie auch die meisten touristen in pondicherry, ueberwiegend natuerlich franzosen.

pondicherrys gandhi ist besonders bei kindern beliebt.

und weil das alles so gar nicht zu uns passt und wir uns schliesslich nicht nur mit uns bzw. fernsehn beschaeftigen koennen, fuhren wir eben weiter, drei stunden nach norden. und hier sind wir jetzt - im kleinen oertchen mamallapuram, das aufgrund seiner felsenreliefs, steinmetzkunst und tempel zum weltkulturerbe zaehlt und obendrein eine krokodil-farm sowie - unabhaengig davon - gutes essen zu bieten hat. dazu spaeter mehr. jetzt wird erstmal angestossen!

euch allen weiterhin einen erfolgreichen kampf gegen schnee und eis, wir fahren am freitag weiter nach chennai, die tamilische hauptstadt.

iniya iravu (gute nacht)!

l+j

22.1.10

kerala: kochi und die backwaters

hallo zusammen! nachdem wir also mit dem bus im morgendlichen kochi (bzw. in ernakulam, dem stadtteil aufm festland) angekommen waren, brachte uns eine lokale faehre fuer den unschlagbaren preis von 2,50 Rs. (3 ct.) ueber die moskitoverseuchten binnengewaesser der stadt zur halbinsel von fort cochin, wo wir ziemlich schnell eine unterkunft in einem "home stay" etwas suedlich der altstadt fanden. home stays findet man in kerala ziemlich haeufig, sie sind meistens eher preiswert, ziemlich sauber und irgendjemand ist immer erreichbar, weil die leute halt dort wohnen. in unserem fall handelte es sich um zwei aeltere leutchen, oma und opa, die jeden abend gemeinsam auf der couch neben der haustuer sassen und rosenkraenze beteten.

der touristische teil von kochi (also die altstadt) besteht aus etwa sechs, sieben strassen, die ziemlich gut von westlern besucht und auch dementsprechend teuer sind. wir nahmen unser fruehstueck (gebaeck und chai) daher meistens am snackwagen an der strassenecke zu uns, bezahlten 60 cent und waren auch satt und zufrieden. mittag gabs dann in einer dhaba (einer art indischen kantine) fuer nen euro zwanzig fuer beide. dhabas haben es allerdings so an sich, dass man eigentlich nicht selber entscheiden kann, was es gibt. man setzt sich, kriegt ein bananenblatt hingeklatscht und darauf landen dann reis, dhal, verschiedene gemuese usw., manche sehr lecker, manche eher nicht. dafuer kriegt man aber so viel nachschlag, wie man will.

vascos "grab".

kochi ist bekannt als die aelteste europaeische siedlung indiens, was sich heute nur noch an der st. francis church sehen laesst, die 14 jahre lang den toten vasco da gama, also den personifizierten europaeischen entdeckerdrang, beherbergte. das grab ist auch heute noch da (eingezaeunt als schutz gegen muede koreaner, die sich gerne mal auf einen grabstein setzen) und wird von einheimischen schulklassen und touristen besucht. vasco dagegen hat man nach seinem tod zurueck nach lissabon gebracht. kochi hat trotzdem einige eigenarten, die es noch heute europaeischer als restindien erscheinen lassen. die haeuser sind klein und haben spitzdaecher, die stadt ist relativ sauber (von ein paar dreckecken abgesehen), es gibt weniger kuehe auf der strasse (dafuer aber ziegen) und selbst die muezzine rufen synchron (nicht bunt ueber den tag verteilt, wie in anderen staedten).

europaeischer, wie gesagt.

die cochin-juden, deren aelteste vorfahren je nach auffassung vor 2500 bis 1500 jahren in indien ankamen, werden von kerala als aushaengeschilder der indischen toleranz gegenueber anderen religionen und voelkern angesehen. tatsaechlich wurden sie mit offenen armen empfangen und hatten ueber einige jahrhunderte an der hiesigen malabar-kueste sogar einen eigenen staat. die einzigen, die ihnen probleme bereiteten, waren europaeer. naemlich katholische portugiesen, die hunderte cochiner juden toeteten und ihre synagogen zerstoerten. heute gibt es nur noch eine handvoll juedischer einwohner, da die meisten dem ruf israels gefolgt sind, was man ihnen aufgrund der besseren wirtschaftlichen situation und der unmoeglichkeit, in der hiesigen juedischen gemeinde noch einen lebenspartner zu finden, auch kaum veruebeln kann.

die blauen kacheln in der alten synagoge von kochi. laut salman rushdie sollen sie die zukunft vorhersagen koennen und ihre gestalt veraendern. wer weiss...

im juedischen viertel. oben: der glockenturm der synagoge.

das juedische viertel wird heute von geschaeftstuechtigen kaschmiris "besetzt" gehalten, die einem allen moeglichen mist, den man auch ueberall woanders in indien kaufen kann, der aber angeblich typisch keralisch ist, andrehen wollen. die alte synagoge aus dem 16. jahrhundert ist mit handbemalten fliesen aus china ausgelegt, von denen keine genauso ist, wie die andere. eine ironie der geschichte ist ein motiv, das (sehr versteckt) das typische indische glueckssymbol, das hakenkreuz, zeigt. vermutlich ein unikum. draussen stehen einige verlorene grabsteine mit hebraeischer aufschrift herum; der nahegelegene juedische friedhof ist fuer besucher geschlossen. auf dem rueckweg in die altstadt erkundeten wir noch ein paar alte gewuerzhandelshoefe, die heute immer noch aktiv sind und vorwiegend vom export (nicht von touris) leben. eine schoene erfahrung, wenn ihr euch vorstellt, dass es an jeder ecke nach kardamom, pfeffer, chilli, ingwer, nelken usw. riecht.

hier liegt in kokosmilch eingelegter ingwer zum trocknen. gewendet wird er uebrigens mit den fuessen, falls das jemanden interessiert.

ein schoenes fotomotiv und eine art technisches museum sind die chinesischen fischernetze an der hafeneinfahrt von kochi. diese geraete wurden bereits vor ein paar hundert jahren gebaut, und mithilfe von gewichten und gegengewichten (steine) bedient. am ende des langen armes, der wie bei einem katapult auf einem gestell angebracht ist, befindet sich ein grosses fischernetz, dass auf diese art und weise von nur drei, vier maennern hoch- und runterbewegt werden kann. fuer indische verhaeltnisse ein beispielhafter fall von personalreduzierung. das anzuschauen ist ein muss fuer besucher.

chinesisches fischernetz.

eines tages fuellte sich die stadt dann mit bunt bemalten rikschas, die von weissen gefahren wurden. den ersten dreien folgten am naechsten morgen weitere 30. das waren die leute vom "rikshaw-run", einer art teurem abenteuer fuer alternative traveller, das daraus besteht, mit einer rikscha von der nepalesischen grenze bis nach suedindien zu fahren. zielpunkt war dieses jahr eben kochi. obwohl die idee recht abenteuerlich klingt, halten wir das ganze fuer eine masche, um schnell geld zu verdienen. der organisator bekommt naemlich von jedem team 1000 euro, und am ende darf man die rikscha nicht mal behalten.

eine der abenteuerrikschas.

sonnenparty (siehe unten).

ab und an fuhren wir mal nach ernakulam herueber, wo man billiger essen und trinken kann und gaben uns sogar zehn minuten eines anglikanischen gottesdienstes in der furchtbar kitschigen basilika von kochi, bevor wir vor den keyboardklaengen und dem etwas schraegen chor flohen. und wir gaben uns endlich mal dem totalen shopping-erlebnis hin, nachdem wir mit unserem rikscha-fahrer einen deal ausgemacht hatten. er wuerde uns ueberall hinbringen, wir muessten uns dafuer nur fuenf shops ansehen, von denen er kommission bekommt. und so liessen wir eine scheinbar endlose reihe von kaschmir-teppichen, marmor-elefanten, juwelen, bidri-skulpturen (kupfer mit silberinlets), shawls, schachspielen und "antiquitaeten" an uns vorbeiziehen, bevor wir die stadt - unseren klaren favoriten in indien bis jetzt - verliessen. gekauft haben wir allerdings nichts.

der kommunismus lebt! gut, hier gerade nicht.

mit dem bus ging es am 18. januar in anderthalb stunden nach alappuzha (aleppey), eine kleine stadt zwischen dem meer und den backwaters, die gelegentlich (von der tourismusbehoerde) etwas beschoenigend "venedig des ostens" genannt wird. wir halten das bei zwei kanaelen fuer ein bisschen uebertrieben. trotzdem es hier beinahe nichts interessantes zu sehen gibt, bleiben wir zwei naechte in einem home stay, das von zwei bruedern (beide mitte zwanzig) betrieben wird und ziemlich gemuetlich ist.

hier faellt uns auch ein amuesanter reisefuehrer ("frommer's") in die hand, der offenbar fuer reiche, aengstliche amis geschrieben wurde. demzufolge sollte man niemals street food anruehren (siehe oben), auf jeden fall aufpassen, dass der chai-wallah seine glaeser immer mit heissem wasser abspuelt (als ob der ne warmwasserleitung haette) oder einen eigenen chai-becher mitnehmen, unter keinen umstaenden auf oeffentliche toiletten gehen (sondern immer in 5-sterne-hotels) und diese hotels moeglichst auch fuer fruehstueck, mittag und abendbrot aufsuchen. sehr lustig zu lesen. bei einem buch, dessen erster satz da lautet "wir haben eine menge wunderschoener plaetze fuer sie zusammengesucht: hotels, restaurants, shops und viele mehr", wundert einen nichts mehr. unsere magenprobleme kamen uebrigens immer von empfohlenen, guten restaurants, nie von street food oder chai.

hausboote vor anker.

am mittwoch vormittag stiegen wir in die lokale faehre, die uns durch das gewirr der backwaters nach kottayam an der bahnstrecke nach sueden bringen sollte. ein paar andere touristen waren auch noch dabei, ansonsten keralis, die von dorf zu dorf fuhren. die faehre haelt naemlich aller paar minuten auf einem der kleinen inselchen des hinterlandes an, und ein paar leute steigen ein und aus. die backwaters sind so eine art zu gross geratener, tropischer spreewald, mit zahllosen grossen und kleinen fliessen, die sich die schlanken boote der einheimischen mit den von reichen westlern gemieteten fetten hausbooten und den faehren teilen. links und rechts der kanaele standen die kleinen haeuser meistens auf schmalen daemmen, hinter denen sich reisfelder befanden. gleich hinter alappuzha sahen wir ausserdem eine menge der beruehmten hausboote (kettuvalam), manche von ihnen schwimmende palaeste. mit der zeit waren davon allerdings weniger zu sehen, da es sich um ein ziemlich teures abenteuer handelt und dieses jahr ohnehin weniger reiche touristen hier unterwegs sind.

im keralischen spreewald.

zugbruecke und die pest der backwaters: afrikanisches wassermoos.

unter ein paar zugbruecken und durch einige kleine doerfchen hindurch fuhren wir in reichlich drei stunden bis nach kottayam. ueberall waren die roten fahnen mit hammer und sichel auf halbmast gesetzt, um dem verstorbenen patriarchen der kommunistischen partei, jyoti basu, ehre zu erweisen. den nachrufen zufolge, die ueber tage hinweg die hiesigen zeitungen fuellten, war basu einer der wenigen politiker indiens, der konsequent und unbestechlich seinen weg gegangen ist, einer der groessten des landes, ein guter kommunist und bis ins hohe alter (immerhin 95) fit und politisch aktiv. was davon nun wahr ist und was nicht; jedenfalls hat er aktiv gegen die korruption gekaempft und war fast 25 jahre lang premier von westbengalen. beides ist in indien schon eine grosse leistung.

trauerbeflaggung fuer jyoti basu.

in kottayam uebernachteten wir in einer art englischem landhaus, das etwas ausserhalb der stadt in einer ruhigen gegend nahe an einem breiten, langsamen fluss gelegen ist. zwar reizten wir hier unser tagesbudget etwas sehr aus, dafuer bekamen wir aber (als einzige gaeste) ein traumhaftes abendbrot mit gebratenem flussfisch im bananenblatt, reis, gemuese, eingelegten mangostuecken, verschiedenen saucen und bier ins wohnzimmer gebracht. das fruehstueck war aehnlich ueppig. gut gefuellt und um einige hundert rupien aermer begaben wir uns zum bahnhof, um weiter nach sueden, nach varkala, zu fahren.

5 o'clock - tea time. die koechin bereitet derweile den fisch zu.

faehre (von der regierung gesponsert).

varkala liegt an einem schoenen kuestenabschnitt mit steilen klippen und ist selber total von travellern und pauschaltouristen ueberlaufen. einem tipp folgend, fuhren wir mit der rikscha in ein kleines doerfchen noerdlich der stadt, odayam, wo wir jetzt fuer 3,50 euro etwa 200 meter vom strand inmitten eines palmenhaines uebernachten.

heute haben wir uns an den lokalen brauch des subbotnik gehalten - wir sind ja immernoch in kerala - und waehrend unsere indischen nachbarn im palmenhain herumkletterten, um die baeume von abgestorbenen palmwedel und fauligen kokosnuessen zu befreien, war fuer uns waschtag.

waschtag.

am dienstag fahren wir dann endlich an die suedspitze, womit die reise der sonne entgegen zum schluss kommt. ab dann kommen wir euch zuhause nur noch naeher. tschuess!